Wenn der Stuhl trotz Bestleistung wackelt
Kennst du dieses Phänomen? Es gibt Orte auf der Welt, die eine magische Anziehungskraft auf uns ausüben. Ein tiefer, innerer Drang zieht uns dorthin – doch kaum angekommen, ist die Zeit dort nicht immer angenehm. Sie ist herausfordernd, intensiv und vielleicht auch anstrengend. Oft spüren wir unbewusst, dass hier noch eine alte Rechnung offen war; ein Thema oder eine Erfahrung, die wir kaum benennen, geschweige denn uns daran erinnern können. Etwas, das einen Abschluss verlangt.
Dieses Phänomen erleben wir nicht nur auf Reisen oder in unseren privaten Beziehungen, wo uns Partner oft wie Spiegel unserer tiefsten Themen begegnen. Es existiert in einer fast noch intensiveren Form dort, wo wir es am wenigsten vermuten: im Beruf.
Die bekannten Seelen in der Teppichetage
Auf deinem beruflichen Weg triffst du nicht zufällig auf bestimmte Menschen. Sehr oft begegnen wir im Business-Kontext alten Bekannten – Seelen, mit denen wir aus früheren Leben tief verstrickt sind.
Manchmal ist diese Dynamik von einer getragenen, nährenden Energie geprägt: Ihr trefft euch wieder, weil ihr schon einmal Großes bewirkt habt. Ihr fördert euch blind, treibt dieselben Visionen voran und haltet euch in Krisen den Rücken frei.
Doch viel häufiger sind diese Begegnungen im Job extrem reibungsvoll. Du triffst auf Kollegen, Partner oder Vorgesetzte, mit denen es in einer früheren Inkarnation eben nicht ideal lief. Unbewusst wirken hier uralte Dynamiken:
Du stehst scheinbar in der Schuld des anderen und arbeitest dich auf.
Du hast ein unbewusstes Versprechen abgegeben, das jetzt im Hier und Jetzt eingelöst wird.
Du hängst in einem starren Verhaltensmuster fest, getriggert von immer derselben Person.
Es sind alte Verabredungen, die auf der Bühne des modernen Managements reinszeniert werden. Und sie kosten unfassbar viel Kraft.
Wenn die Leistung stimmt, aber der Stuhl trotzdem wackelt
In meinen Sitzungen beobachte ich in letzter Zeit ein gehäuftes, fast schon systemisches Phänomen: Immer mehr Menschen werden aus ihren Positionen entlassen. Und zwar Persönlichkeiten aus dem Top-Management, die nachweislich exzellente Arbeit geleistet, enorme Verantwortung getragen und dem Unternehmen echten Mehrwert gestiftet haben.
Das Paradoxe: Sieht man genau hin, hat diese Kündigung überhaupt nichts mit mangelnder Leistung oder schlechter Führung zu tun. Der Verstand sucht verzweifelt nach logischen Gründen, findet aber keine.
Die Wahrheit liegt auf einer ganz anderen Ebene. Die Zeit, in der wir uns aktuell befinden, bringt mit einer enormen Dynamik Altes zu einem kollektiven Abschluss. Alles, was keine Gültigkeit mehr hat, was energetisch ausgedient hat, kann sich nicht mehr halten. Das betrifft ganze Abteilungen, Firmenstrukturen – oder eben Einzelpersonen.
Das Einbahnstraßenschild: Wenn das Leben für dich entscheidet
Es gibt aber noch einen zweiten, ganz wesentlichen Grund für diese plötzlichen Entlassungen: Dein Weg ist längst ein anderer.
Sehr oft erlebe ich Klienten, die krampfhaft an ihren Positionen festhalten. Natürlich tun sie das aus rational nachvollziehbaren Gründen – es geht um den Erhalt des mühsam aufgebauten Lebensstandards, das Absichern des Status oder die immense Verantwortung, die man für das eigene Umfeld trägt. Keine Frage. Doch wenn sie ganz ehrlich zu sich sind, erfüllt sie die Aufgabe insgeheim schon sehr lange nicht mehr. Sie funktionieren nur noch auf hohem Niveau, angetrieben von reiner Pflicht oder der trügerischen Sicherheit der Komfortzone.
Da wir aber in einer Zeitqualität stecken, in der Dinge, die im Kern nicht mehr passen, keine Daseinsberechtigung mehr haben, greift das Leben ein. Es fühlt sich an, als stündest du vor einer geschlossenen Tür oder direkt vor einem Einbahnstraßenschild. Wenn du die notwendige Veränderung nicht selbst herbeiführst, weil die Angst vor dem Statusverlust dich blockiert, wird dir die Entscheidung im Außen abgenommen. Die Kündigung ist dann kein Scheitern, sondern ein radikaler, kosmischer Schubs in deine wahre Richtung.
Der tiefere Sinn hinter dem plötzlichen Aus
Auch wenn es sich im ersten Moment wie eine schmerzhafte Krise anfühlt, nach einer Kündigung den Platz räumen zu müssen: Es war wichtig, dass du noch einmal genau dort gewesen bist.
Du warst dort, um dich mit genau diesen verabredeten Personen zu treffen. Um Energien auszutauschen. Um das alte, unbewusste Karma aufzuarbeiten und es nun – durch diesen harten Cut – endlich zu einem sauberen, Abschluss zu bringen. Die Verabredung ist erfüllt. Das Band ist gelöst, auch wenn es im Außen wie ein Schock aussieht.
Erst wenn dieser Raum geklärt ist, kann das Neue entstehen. Wenn du versuchst, im Außen weiterzukämpfen, verbrennst du deine Ressourcen an einer Dynamik, die längst vorbei ist.
Indem du deinen Rucksack auspackst, schaffst du den Raum für die neue Ebene deiner Klarheit und Wirksamkeit.
Wenn du die unsichtbaren Verträge hinter deinen beruflichen Meilensteinen und Krisen verstehst, verliert das Unerklärliche seinen Schrecken. Du hörst auf, dich als Opfer der Umstände zu fühlen, und erkennst die tiefere Ordnung deines Weges.
Denn, es ist kein Umweg – es ist die Freisetzung für deine wahre Bestimmung.